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Gestaltungsprinzipien

"Eine Symbolik wie bei einer Musik, bei der man

den Text nicht versteht und sie dennoch erfühlt."

Viele Gestaltungsprinzipien in einem japanischen Garten besitzen einen hohen Symbolgehalt der für uns Europäer nicht immer leicht zu erkennen und zu verstehen ist. Dennoch spüren wir die Wirkung dieser Gestaltung auf uns. Ziel in dem Garten der vier Jahreszeiten war es daher von Anfang an, die Wirkung zu erzeugen ohne jedoch die Gestaltungselemente einfach zu kopieren. Sie sollen eine zu dem Ort passende Anwendung finden und eher interpretieren statt zu imitieren. Hinzu kommt auch noch der ein oder andere Aspekt aus der europäischen Gartenkunst.

Vier Jahreszeiten

Die Jahreszeiten und ihr steter Wandel sind das zentrale Thema des Gartens.
Hier eine kleine Beschreibung, wie die vier Jahreszeiten in dem Garten dargestellt werden. Die Einteilung ist auf dem Plan „
Jahreszeiten“ erkennbar.
      
Winter
        ◦ Statik und kaum Veränderungen, dargestellt durch
            ▪ Immergrüne, in Form geschnittene Gehölze
            ▪ Steine
            ▪ immergrüne Bodendecker
            ▪ die breite Kiesfläche
        ◦ „Dunkelheit“, „Enge“ und „Härte“, dargestellt durch
            ▪ die Nordausrichtung
            ▪ die umgebenden Hecken
            ▪ die Laterne
            ▪ graue Steine
            ▪ die Dornen des Ilex
        ◦ Langsame Veränderungen / Hoffnung auf den Frühling, dargestellt durch
            ▪ die Blüte der Lichtmess Zaubernuss im Februar
            ▪ die schmaler werdende Kiesfläche

Frühling
        ◦ zunehmende Veränderungen, dargestellt durch
            ▪ die Blüte des Haselstrauches
            ▪ die schmaler werdende Kiesfläche
        ◦ Zunehmende Helligkeit
            ▪ der Weg führt auf die sich öffnenden Heckenwände zu
        ◦ Zeit der Wiederbelebung, des Wachsens und der Blüte, dargestellt durch
            ▪ die Blüte der Kirschen
            ▪ die Blüte der Mahonie
            ▪ den Austrieb der Funkien
            ▪ den Austrieb der Farne

Sommer
        ◦ Zeit der Fülle, dargestellt durch
            ▪ Sommergrüne Gehölze
            ▪ Blüte des Thymians
            ▪ Blüte des Storchenschnabels
            ▪ Blüte des Spierstrauches
        ◦ Zeit des Lichtes, dargestellt durch
            ▪ die Laterne
            ▪ die Offenheit des Bereiches
            ▪ die Südausrichtung
        ◦ Zeit der Weite, des Draußenseins, dargestellt durch
            ▪ den Thymian-Weg („Thyme-Walk“) statt dunklem Kies
            ▪ die Sitzbank zum Verweilen
          
Herbst
        ◦ Zeit der Vergänglichkeit, dargestellt durch
            ▪ Rotes Laub des großen Ahorns
            ▪ buntes und herabfallendes Herbstlaub
            ▪ bunte und herabfallende Nadeln der Lärche
        ◦ Zeit langsamer Veränderungen, dargestellt durch
            ▪ immergrüne Kiefern
            ▪ die lange blühende und sich verfärbende Heide
        ◦ Rückkehr zur „Dunkelheit“, „Enge“ und „Statik“, dargestellt durch
            ▪ Rückkehr in den „engeren“ Gartenbereich
            ▪ Rückkehr zur Kiesfläche

Verbergen und enthüllen

Von keinem Punkt aus kann der ganze Garten auf einmal betrachtet werden. Jeder Schritt führt zu neuen Bildern und Perspektiven. Dies ist eines der wichtigsten Gestaltungselemente in diesem Garten.

Ungerade Anzahl / asymmetrische Anordnung

In einem japanischen Garten entstehen Gleichgewicht und Harmonie aus Asymmetrie. Die Elemente des Gartens kommen nicht in gerader Anzahl vor und werden auch nicht in gleichen Abständen platziert. Angestrebt wird eine natürliche Ausstrahlung statt einer künstlichen.

Kies

wird in japanischen Gärten oftmals als Symbol für Wasser verwendet. Ein Fluß, ein Meer. Die Kiesfläche im Garten der vier Jahreszeiten kann ebenso als ein Fluss interpretiert werden. Aber auch als ein Bereich, der im Winter breit vorhanden ist und eine immer gleiche Statik ausstrahlt. Dieser wird dann im Verlauf des Frühlings  immer schmaler, bis er schließlich in den Sommer mündet und ganz verschwindet.

Formschnitt und Pflege

werden mit größter Sorgfalt ausgeführt. Sehr viel Zeit und Mühe wird in die Pflege des Garten investiert und ist Teil des Weges und des Gartenkunstwerkes. Alle Pflanzen werden aufwändig kultiviert und in Form geschnitten. Ziel ist es dabei, die Individualität jeder einzelnen Pflanze in ihrer Natürlichkeit zur Geltung zu bringen. Wichtig ist dabei auch, dass ein harmonisches Miteinander aller Dinge erhalten bleibt. Letztlich beruht die ruhige natürliche Ausstrahlung auch auf einer perfekten Pflege des Gartens.

Steine

werden als skulpturale Elemente eingesetzt und stehen in japanischen Gärten oft symbolisch für verschiedene Tiere und Götter oder symbolisieren die Beständigkeit.
Im Garten der vier Jahreszeiten gibt es zwölf besonders platzierte Steine, die symbolisch für die
12 Monate des Jahres stehen. Für die Japaner besitzen nicht nur Pflanzen, sondern auch Steine eine Seele. Die Auswahl und das Setzten der Steine lässt diese, ohne dass sie bearbeitet sind, zu Skulpturen werden, die ihren persönlichen Charakter in den Garten einfügen.

Laternen

werden als strukturgebende Elemente eingesetzt, als Blickpunkte, als ordnende Elemente, als offensichtlich künstliche Elemente. Nur sehr selten werden sie als Lichtquellen genutzt. In diesem Garten stehen sie auch symbolisch für die Sehnsucht nach Licht im Winter und für das tatsächlich vorhandene Licht im Sommer. Mehr Infos...

Kiefern

stehen im japanischen Garten symbolisch für die Beständigkeit. Ihr immergrünes Nadelkleid  verändert sich nicht im Laufe eines Jahres. Deshalb leiten Sie in diesem Garten vom Herbst in den Winter über, in dem alles in der Natur nahezu still steht.

Kirschen

sind das japanische Symbol für den Frühling und symbolisieren mit ihrer kurzen Blüte und dem Fall der Blütenblätter die Vergänglichkeit. So auch hier im Bereich des Frühlings.

Wabi-Sabi 侘 寂

beschreibt den besonderen japanischen Sinn für Ästhetik. Nicht in der Vollkommenheit, sondern in der Unvollkommenheit, in dem nur teilweise Sichtbaren, dem Vergänglichen besteht die Schönheit. Es geht auch um die die Seele in den Dingen und das Erkennen dieser. Wabi steht für eine einfache, schlichte Eleganz und Sabi für die Veränderung durch die Zeit – die Patina.

„Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“
(aus Leonard Koren „Wabi-sabi für Künstler, Architekten und Designer“ (1994))

Im Garten der vier Jahreszeiten wird dies vielfältig berücksichtig. Bei der Auswahl und Setzung der Steine, den Pflanzen und ihrem Arrangement und an vielen anderen Punkten.

Individualität und Harmonie

Jedes Gehölz und jeder Stein in dem Garten besitzen eine Individualität, einen eigenen Charakter, eine Seele. Diese soll zur Geltung gebracht werden und sich dennoch harmonisch in das Ganze einfügen! Anders als das Konzept „Be yourself no matter what they say“.

Dies kann ebenso als ein Gleichnis für das eigene Leben gesehen werden.

Shakkei 借景

die „geborgte Landschaft“. Die Umgebung des Gartens wird in die Gestaltung bewusst mit aufgenommen und wird so zu einem Teil des Gartens, auch wenn sie eigentlich nicht mehr dazu gehört.

Die Sitzbank

ist ein Ort des Verweilens, des Beobachtens, des Nachdenkens oder der Meditation.

Natürliche Landschaften

werden sehr oft in japanischen Gärten in verkleinerter und symbolischer Form nachgestaltet. Sie bilden für viele Gärten die Grundlage der Gestaltung.
Im Garten der vier Jahreszeiten habe ich dieses Prinzip aufgegriffen. Jedoch nicht in der Nachgestaltung einer japanischen Umgebung, sondern durch Inspirationen aus heimischen Landschaftsbildern, die ich kenne und schätze. Diese finden sich besonders im Kreis Herzogtum Lauenburg – Kiefernwälder, Heidelandschaften, geschwungene Felder, wunderschöne Solitärbäume, Wälder uvm. Deshalb nutze ich in diesem Garten auch zahlreiche einheimische Pflanzen. Mir ist dieses Konzept sehr wichtig, denn ich glaube nur so lassen sich dauerhafte und authentische Gärten gestalten.

Blumen

kommen nur sehr selten vor. Nichts soll den stillen, leisen und meditativen Charakter des Gartens beeinträchtigen.

Wege / Trittsteine

in japanischen Gärten gibt es nur selten gerade Wegstücke. Stattdessen verlaufen die schmalen Wege in sanften Kurven und erzeugen viele überraschende Perspektiven. Daher sind die Wege auch holprig und uneben, um den Besucher nicht teilnahmslos durch den Garten gehen zu lassen. Dies führt zu einer Achtsamkeit beim Gehen, verlangsamt den Schritt und das innere Tempo. Größere Trittsteine laden zum Verweilen und Betrachten eines besonderen Ausblicks ein.

Mu 無 / む

das Nichts, die Leere.

Kokoro 心

bedeutet Herz, Geist oder Seele.

Ziel ist es, dem Garten eine Seele zu geben.

Dō

der Weg.

Und zuletzt

für mich ganz wichtig, es soll kein „Asia-Kitsch-Garten“ sein!

Literatur und Quellen

Es gibt zahlreiche Bücher über japanische Gärten, von denen mir zwei besonders wichtig sind und die auch als Quelle für meine Beschreibungen dienen:

Zen Gardens - The Complete Works of Shunmyo Masuno, Japan's Leading Garden Designer
von Mira Locher
Tuttle Publishing (2012)


Japanische Gärten - Inspiration und Gestaltung
von Yoko Kawaguchi (Autor)
DuMont; Auflage: 1. (2000)